Die «Geburtsstunde» vom Grünen und Gelben Tilsiter – ein Rückblick mit Hans-Peter Strähl

Seit den 1960er-Jahren gibt es den Gelben, pasteurisierten Tilsiter. Doch die Entwicklung dieses Käses geht viel weiter zurück. Hans-Peter Strähl, Mitinhaber Strähl Käse AG und Käsermeister, erzählt nachfolgend die Geschichte, die auch sehr eng mit der Entwicklung seines eigenen Unternehmens zusammenhängt.

Der Grundstein des Schweizer pasteurisierten Tilsiters geht zurück bis ins Jahr 1935

Dazumal übernahm mein Vater, Paul Strähl sen., die kleine Käserei in Biessenhofen bei Amriswil. Er produzierte täglich einen Laib Emmentaler. Schon 1936 machte er Versuche, Käse aus pasteurisierter Milch herzustellen. Am Anfang hatte er verschiedene Formate: 2 kg, 4 kg und 6 kg. Die Käse musste er selber verkaufen. Er entschied sich für die Form des heutigen Tilsiters, mit 25 cm Durchmesser und circa 4 kg Gewicht, der bei seiner Kundschaft am beliebtesten war. Dieser Käse wurde als «Strähl Käse pasteurisiert» angeboten. Er war mild, weich und hatte einen speckigen Teig. Bereits vier Jahre später kaufte Paul Strähl sen. die Nachbarskäserei in Erlen dazu, um der guten Nachfrage nachzukommen. 1952 bis 1954 wurde in Siegershausen eine neue Käserei gebaut, wo täglich 5’000 Liter Milch zu Strähl Käse produziert wurden. In diesen Jahren kamen weitere Hersteller dazu, die einen ähnlichen Käse produzierten: Refa Kaltbach, Stieger Steinen und eine Käserei Wolf im Kanton Luzern. Es wurde eine Gruppe von vier Milchverarbeitern gegründet, die RSSW hiess.
In den 1960er-Jahren wurde mit der Geschäftsstelle für Tilsiter verhandelt und die vier Hersteller in die Tilsiter-Organisation integriert. Es entstanden die rote und die grüne Etikette, um die Rohmilchkäse und die pasteurisierten Käse voneinander zu unterscheiden.
Am 1. Juni 1962 trat ich in die Fima meines Vaters ein. Als Käser mit Berufserfahrung konnte ich meinen Vater ideal unterstützen. Ab 1964 produzierten die Firma Refa und auch wir einen Rahmkäse. Für diesen wurde später eine gelbe Etikette hergestellt und das Sortiment wurde mit diesem Rahm-Tilsiter ergänzt.
Die pasteurisierten Tilsiter und Rahm-Tilsiter sind auch heute sehr beliebte Käse und die Firma Strähl Käse AG zählt zu den grössten Herstellern dieser Käsesorten.
Anfänglich wurden die Käse in kleinen Mengen im Käsekessi hergestellt. Heute produzieren wir pro Charge 360 Laibe. Wir haben grosse Erfahrung in der Herstellung des pasteurisierten Tilsiters und setzen uns mit Fachwissen und grossem Engagement für beste Qualität ein.

Der «Royalp», Rekorde und Werbeplakate – begleiten Sie den Tilsiter durch seine 1970er-Jahre

1970
Das Tilsiter-Werbebudget wird auf Fr. 600’000.– erhöht, getragen je zur Hälfte vom Bund und von Produzentenbeiträgen.
Bezogen auf die insgesamt 6’200 Tonnen Tilsiter im laufenden Jahr sind das knapp 10 Rp. je Kilogramm Käse oder 1 Rp. je Kilogramm Milch.

Die Wortmarke «Tilsiter» und die Tilsiter-Etiketten rot und grün werden beim Eidgenössischen Amt für Geistiges Eigentum Bern durch den ZVSM hinterlegt.

Es gab zu dieser Zeit auch die Idee, eine zweite Exportmarke mit dem Namen «Tilsuisse» bzw. «Tilswiss» auf den Markt zu bringen. Diese Idee wurde aber später aufgegeben.
Dafür wird die Marke «Royalp» als neue Tilsiter-Exportmarke etabliert.

In verschiedenen europäischen Ländern finden Markttests in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Käseunion und D. Tomczak statt.
Der «Royalp» wird als neue Sorte der Schweizerischen Käseunion aufgenommen.

1971
Eine neue Werbekampagne «Zielscheibe – Volltreffer der Natur» wird durchgeführt. Ein paar Impressionen gibt es am Ende des Artikels zu sehen.

1972
Die Laibetiketten für den Roten und Grünen Tilsiter werden erneuert. Die Importmengen von Tilsiter ähnlichen Produkten steigen immer weiter und nehmen bedrohliche Ausmasse an.
Der Importkäse erreicht den Spitzenwert von 31 %.

1973
Erstmalige Erfassung von ca. 500 Tonnen Rahm­Tilsiter als dritte Kategorie im Tilsiter­Portfolio. Rasches Ansteigen der Mengen auf das allzeitliche Maximum von 1’430 Tonnen im Jahr 1980.

1975
Es werden Zölle auf Importkäse erhoben und es erfolgt die Umlagerung der Mittel in weitere Inland­Verbilligungen.

1977
Durch steigende Milchmengen und das Versprechen, den produzierten Käse garantiert zu attraktiven Preisen zu übernehmen, wachsen die Mengen aller drei Tilsiter-Käse.

Vom Royalp werden 360 Tonnen exportiert. Diese Marke wird auch in Zukunft nie längerfristig übertroffen.

1978
Für den Rahm-Tilsiter wird eine eigene Laibetikette entwickelt und es wird nun auch Werbung für den Grünen Tilsiter gemacht, bis dahin wurde nur für den Roten Tilsiter die Werbetrommel gerührt.

In diesem Jahr werden von den Sorten Rot, Grün und Gelb 8’337 Tonnen hergestellt – ein absoluter Rekord für den Schweizer Tilsiter.

 

 

Im nächsten Teil unserer Serie erfahren Sie, wer unsere Markenbotschafter, die Holzkühe, zum Leben erweckt hat und wo sie heute produziert werden.

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